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DAS «INTEGRALE» IST IN DER WISSENSCHAFT ZUM
SCHLÜSSELBEGRIFF AVANCIERT. IN DER SYNTHESE DER
ESSENZ VON WEISHEIT UND WISSENSCHAFT LIEGT DAS
POTENTIAL ZU EINEM WAHRHAFT INTEGRALEN WELTBILD.
Wachsende Einsicht in die umfassende Vernetzung von Fragestellungen in Wissenschaft
und Forschung bedingen eine ganzheitlichere Sicht. In diesem Sinne
werden verschiedene Modelle integraler Wissenschaften initiiert und diskutiert.
Ein Modell möchte ich hier näher erläutern. Kern der klassischen Weisheitslehren
ist ein integrales Weltbild. Integrale Wissenschaften sind ein Teil dieses
integralen Weltbildes. Dazu folgende Begriffspräzisierungen:
→ Weisheitslehren beinhalten: In ihrer Gesamtheit das geistige Weltkulturerbe
der Menschheit. Ihre grundlegenden Einsichten in die Schöpfungsordnung sind
der gemeinsame Kern universaler Wahrheit, der in allen grossen Religionen,
Philosophien und ganzheitlichen Wissenschaften zu fi nden ist.
→ Integral bedeutet: Ein allumfassendes Verständnis der Natur, des Menschen
und des Kosmos, in dem wissenschaftliche und geistige Einsichten sich wechselseitig
ergänzen.
→ Wissenschaft bedingt daher in Ergänzung zum heutigen Ansatz: Sowohl
im Phänomenalen als auch im Noumenalen (Geistigen) mit jeweils geeigneten
Methoden systematische Erkenntnisse zu schaffen und diese miteinander in Beziehung
zu bringen. «Es gibt keine Materie, sondern nur ein Gewebe von Energien,
dem durch intelligenten Geist Form gegeben wird.» Max Planck
INTEGRALE WISSENSCHAFTEN
Aus diesem Blickwinkel ist das Ziel integraler Wissenschaften: Die Erforschung
der Natur, des Universums und die Erkenntnis der Stellung des Menschen in der
Schöpfung. Ziel ist es, die Auswirkungen des Informationsfeldes des «intelligenten
Geistes» durch die ganze Manifestation zu erforschen: Im materiellen
Ausdruck, in den Funktionen des Bewusstseins und in der Idee des Geistigen.
WEISHEIT UND WISSENSCHAFT
In den Weisheitslehren wird die Schöpfung als die kontinuierliche Entfaltung
verschiedener Aggregatszustände aus einem uranfänglichen, noumenalen Prinzip
beschrieben. Jeder Teil der Natur ist in seinem Zentrum identisch mit diesem
Prinzip und dadurch mit allem verbunden. Evolution zeigt die «Ausrollung»,
die «Entfaltung» innewohnender Kräfte und Fähigkeiten eines jeden Teils der
Schöpfung. Führende wissenschaftliche Theorien beschreiben ebenfalls Felder
als Ursache der materiellen Ebene: Eine implizite Ordnung, Potentialität, Informationsfeld,
Nullpunktfeld. Das materielle Universum leitet sich her von
einem verborgenen Meer von Energie. In diesem Meer überlagern sich dynamische
Felder, die Teilchen entstehen und vergehen in ihm. Das Prinzip des Feldes
verbindet alles im Universum. Als Mensch sind wir untrennbar mit diesem Feld
verbunden. Wir gehen buchstäblich «in Resonanz» mit dem ganzen Universum.
Evolution ist gekennzeichnet durch eine zunehmende «Resonanzfähigkeit». Auch
im Menschen entfaltet sich die Fähigkeit, bewusst auf dieses innewohnende
uranfängliche Prinzip zu reagieren. Diese «Wahrnehmbarwerdung des Geistigen
» ist die Eigenschaft des «integralen Bewusstseins», auf das Jean Gebser
hingewiesen hat.
INTEGRALES WELTBILD
Es besteht heute die einzigartige Gelegenheit, ein wahrhaft integrales Weltbild
zu entwickeln. Die historischen Weisheitslehren befassten sich mit dem
abstrakten, die moderne Wissenschaft untersuchte den materiellen Aspekt der
Schöpfung. Gelingt es, die gemeinsamen Einsichten herauszuarbeiten, entfaltet
sich eine neue integrale Sicht der Welt. Sie zeigt den Menschen als eine bewusste
Brücke zwischen Geist und Materie; sie zeigt den umfassenden Bezug
des Menschen zu Natur und Kosmos und den Bezug zu Mitmenschen und Mitwelt.
Diese integrale Sicht der Welt hat das Potential, zu einem gemeinsamen Bezugspunkt
universal anerkannter Werte für die Menschheit zu werden.
Kurzbiographie:
Adrian Bürgi studierte Umweltnaturwissenschaften und Gymnasiallehrer
für Biologie an der ETHZ. Er ist Lehrer für Naturwissenschaften,
Leiter einer Fachmittelschule und wissenschaftlicher Beirat der
Stiftung Weltkulturerbe der Weisheitslehren..
Weiterführendes:
→ Stiftung Weltkulturerbe der Weisheitslehren
→ Ervin Laszlo: Zu Hause im Universum. Die neue Vision der Wirklichkeit. 2005, Allegria Verlag, 256 Seiten, 34.90 SFr., ISBN 3-79342-002-7
→ Ervin Laszlo: Science and the Reenchantment of the Cosmos. The Rise of the Integral Vision of Reality. 2006, Inner Traditions, 224 Seiten, 36.70 SFr., ISBN 3-59477-102-2
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